Festival des jiddischen Humors:
Von der Weisheit des Lachens


Jiddische Legenden, Lieder, Weisheiten & Schnurren - gespielt, erzählt, gesungen

vom 2. - 17. September 2004

So lautet der programmatische Titel eines zweiwöchigen Festivals, in welchem das Hackesche Hoftheater Berlin über sechs verschiedene Theater-Abende hinweg, zu unterhaltsamen Ausflügen in die Welt ostjüdischen Humors verlocken will.
Ein Thema, dem sich diese Spielstätte, als Berlins Adresse für jiddische Kultur am historischen Ort, seit Jahren verpflichtet fühlt, war doch diese Gegend rund um die Hackeschen Höfe eine dereinst von Ostjuden geprägter Berliner Stadtbezirk.

So bilden diese sechs im Festival gebotenen Abende auch gewissermassen die Zusammenschau einer am Hackeschen Hoftheater über die letzten Jahre entwickelten Form musikalischen Erzähl-Theaters, wie sie für das volkstümliche ostjüdische Theater charakteristisch waren.
Die Badchanim, so hiessen diese Entertainer, waren philosophische Komödianten, die in schnellen Rollenwechseln, ohne jedes Requisit, aber mit Leib und Seele ihr Publikum packen mussten, nicht selten unterstützt von ihren musikalischen Vettern, den Klezmorim.
Sie boten - ausgestattet nur mit dem Reichtum ihres Könnens - ein zwar in seiner materiellen Beschaffenheit stets "armes Theater", aber geistig immer ein, die Welt im Wassertropfen spiegelndes, kleines "Welttheater".

Der Titel des Festivals stellt daher auch programmatisch in den Vordergrund, dass ostjüdischer Humor kein Lachen des Hohns wecken wollte, keines der Verachtung oder Vergeltung, sondern mit einer Art "weltlicher Frömmigkeit" den lachenden Blick auch immer auf sich selber richtete. So wie Isaak Bashevis Singer vom Jiddischen als der Sprache der "hoffenden Menschheit" sprach, so ist dieser ostjüdische Humor, gewonnen aus der Überlebenskraft der Schwachen, zu einem weisen Gelächter der Mitmenschlichkeit geworden.

Burkhart Seidemann, August 2004

 


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